Die Geschichte des Tiengener Schlosses

Das Tiengener Schloss hat sich aus einer kleinen, frühmittel-alterlichen Burg aus dem 11.Jahrhundert entwickelt, die nach und nach erweitert wurde. Erst nach einem großen Brand im Jahr 1499 wurde die Burganlage zum heutigen Schloss erweitert. Die Fertigstellung erfolgte im Jahr 1619.

Um die Zeit von Christi Geburt bewohnten die Kelten die Region. Etwa 70 n.Chr. überquerten die Römer die Aare, besiegten die Kelten und ließen sich auch in unserer Gegend nieder. Sie errichteten auf dem Areal des heutigen Schlosses in Tiengen einen römischen Wachturm, zwecks Sicherung der wichtigen Straße von Zurzach in den Schwarzwald.

260 n. Chr. stürmten die Alemannen den Limes, besiegten die Römer und setzten sich unter anderem in Tiengen fest. Der Grund- und Dorfherr hieß wohl „Tuo“, und sein Dorf wurde auch nach ihm benannt: „Tuoingen (alemannisch: Düenge)“.

 

Vom Herrenhof zum Schloss

Der Grundherr baute sich auf dem heutigen Schlossareal einen großen Herrenhof. Zu diesem Hof gehörte ringsum alles Land. Bereits im Jahr 1396 erwähnt dann Diethelm, Freiherr von Krenkingen, dass der Herrenhof seit urdenklichen Zeiten in Besitz seiner Familie sei. Dieser Herrenhof war Verwaltungssitz. Hier wurden u.a. auch die Steuern (z.B. „der Zehnte“) in Form von Naturalien abgeliefert. Auf dem Areal dieses Hofes entstand im Laufe der Zeit eine Burg, denn der Platz eignete sich sehr gut dafür. Es handelte sich bei diesem Platz um eine kleine Anhöhe, wobei das Gelände nach zwei Seiten hin steil abfiel. Jeweils ein mächtiger Wohnturm schützte außerdem die Burganlage auf der West- und Nordseite.

Somit standen nun Hof, Burg und Kirche dicht beieinander. In den Räumen des Wohnturmes befinden sich heute das Klettgau-Museum, die Räume der Bürger- und Narrenzunft 1503 e.V., sowie die Schlossgalerie. Das Gebäude wurde durch einen Graben geschützt, der mit dem Wasser des Talbaches geflutet werden konnte.

Bis zum heutigen Tage nennt man diese ganze Anlage noch das „Alte Schloss“. Der Eingang zum Wohnturm war aus Sicherheitsgründen nicht ebenerdig, sondern im ersten Stock angelegt.

 

Das Burgenbauen erlebte im 11. Jahrhundert, im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ eine Hochzeit.

Um diese Zeit herum ist mit Sicherheit auch die Tiengener Burg durch die Freiherren von Krenkingen errichtet worden. 1229 wird die Burg erstmals erwähnt, als König Heinrich der VII. auf der Burg Tiengen Urkunden ausstellte. Von 1218 - 1413 bewohnten die reichen und mächtigen Freiherren von Krenkingen die Burg in Tiengen. Sie waren Vasallen des Bischofs von Konstanz.

Ab 1482 herrschten dann die Grafen von Sulz auf der Burg. Sie vergrößerten die schon bestehende Anlage durch eine gut befestigte Vorburg. In den sechziger Jahren des 16. Jahrhunderts wurde die Burg zum heutigen Schloß erweitert. Als Erbauer werden die Brüder Wilhelm (1550-1564) und Alwig (1564-1572) von Sulz genannt. Bei der Grundsteinlegung des Kaplaneigebäudes wurde ein Sandstein eingebaut, der auf dieses Ereignis hinwies. Dieser große Grundstein ist heute im Klettgau-Museum zu besichtigen. Im Jahre 1619 wurde der Erweiterungsbau schließlich endgültig abgeschlossen.

Im Schloss gab es Schlaf- und Wohnräume, Arbeitszimmer, einen Tafel- und Festsaal, einen Audienzsaal und vielerlei Nebenräume. Alle Zimmer waren mit reich verzierten Stuckdecken ausgestattet. Sie wurden vor einigen Jahren erst wieder restauriert. Die Küche hingegen war nach wie vor im sogenannten alten Schloss untergebracht. Im Dreißigjährigen Krieg litt die bauliche Substanz des Schlosses sehr. Landgraf Johann Ludwig von Sulz baute praktisch fast das komplette Schloss im spätgotischen Renaissance-Stil wieder auf.

 

Das Ende der Grafenresidenz

1687 starben die Sulzer in der männlichen Linie aus. Die letzte Tochter, Gräfin Maria-Anna, heiratete 1687 den Fürsten von Schwarzenberg. Die Rolle Tiengens als Residenzstadt war damit beendet. Die Fürsten von Schwarzenberg wohnten in Wien. Das Schloss in Tiengen bewohnten nur noch hohe schwarzenbergische Verwaltungsbeamte. Das oberste Geschoss bewohnte der Regierungsdirektor, damals der höchste Beamte der schwarzenbergischen Herrschaft. Ihm standen fünf Zimmer zur Verfügung, während sein Sekretär deren zwei hatte. Im „alten Schloss“ wohnte der Aktuar Bader, Vater von Josef Bader, der später einmal ein berühmter Geschichtsschreiber wurde. Leider ist die reiche Ausstattung des Schlosses an Möbeln, Geschirr, Zinn- und Silberbesteck, Teppichen, Waffen, usw. verschwunden.

1807 kamen Stadt und Schloss zum Großherzogtum Baden. Auch während dieser Zeit waren im Tiengener Schloss Behörden ansässig. Bis heute sind viele von ihnen verschwunden. Geblieben ist die damals so genannte „Obereinnehmerei“ - heute das Finanzamt, aber auch das Finanzamt wird das Schloss in Bälde verlassen. Ein Teil des Schlosses steht auch der Kath. Pfarrgemeinde zur Verfügung. Die Kaplanei dient heute der Caritas-Sozialstastion als Stützpunkt.

Die Tiengener Bürgerzunft hat das Alte Schloss bezogen und betreut dort das Klettgau-Museum, sowie die Schlossgalerie unter dem Dach. Der "Freundeskreis Jüdischen Lebens in Tiengen" hat im Bereich des Heimatmuseums auch Räumlichkeiten eingerichtet, die an die bedeutende Jüdische Gemeinde in Tiengen vor dem letzten Weltkrieg erinnert.

Im Schlosskeller finden kleinere Theatervorstellungen, Konzerte, Kunstausstellungen, Dichterlesungen und Kabarett-Veranstaltungen statt. Ein Genuss für jeden Liebhaber sind auch die alljährlich stattfindenden Jazz-Konzerte im Schlosshof, die von der „Surianergemeinde Tiengen“[nbsp]- einer das Brauchtum pflegenden Vereinigung - veranstaltet werden.